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EIN FEINER ZUG

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Noten
Konzert für Posaune und Klavier

  

Robert Bachner ist einer der aktivsten Jazz Posaunisten Österreichs, ein anerkannter Bandleader und Komponist, und seit vielen Jahren auch Mitglied des international renommierten Vienna Art Orchestra. Nachdem er in den letzten drei Jahren zwei großartige Quintett- und eine swingende Big Band-CD veröffentlicht hat, beschloss er nun, ein gänzlich anderes Projekt zu verfolgen: eine Duo-Aufnahme für Posaune und Klavier, die das Talent seines Freundes, des Komponisten und Pianisten Helmar Hill, in den Vordergrund stellt. „Helmar und ich arbeiten schon seit fast fünfzehn Jahren in den verschiedensten Ensembles zusammen,“ erzählt Bachner, „vor allem im Upper Austrian Jazz Orchestra und bei der extravaganten Brass Band Heavy Tuba. Ich halte Helmar Hill für einen wirklich hervorragenden Komponisten und Arrangeur, und es freut mich besonders, seine wunderbare Musik auf dieser Aufnahme präsentieren zu können.“
 
„Was Helmar so einzigartig macht,“ erklärt Robert weiter, „ist die Tatsache, dass er ein echter Multiinstrumentalist ist. Er lernte ursprünglich Klavier und Akkordeon, studierte dann am Konservatorium in Linz Klarinette und begann auch, Saxophon zu spielen. Sein Studium der Komposition am Konservatorium in Wien schloss er summa cum laude ab. Danach brachte er sich selbst das Trompetenspielen bei und spielt seit Jahren Lead-Trompete in der Big Band eines Freundes. Durch diese Erfahrungen weiß Helmar sehr gut, wie man für verschiedenste Instrumente schreibt, was technisch möglich ist und was gut klingt, und es macht mir immer großen Spaß, seine Musik zu spielen.“

Die erste Komposition von Hill auf dieser CD, A New Job, wurde ursprünglich für die Band Heavy Tuba geschrieben, allerdings in einer Version, in der Helmar nicht Klavier spielte, sondern Melodika. „Daher war es ,ein neuer Job‘ für mich,“ erklärt er. Die Melodie ist hell und lebhaft und erinnert in gewisser Weise an Themen aus Filmmusiken der 1960er und 70er Jahre von Komponisten wie Henry Mancini und Johnny Mandel. Helmar beginnt den Track mit einem üppigen Rubato-Chorus, dann setzt Robert im Tempo dazu ein und spielt das Thema mit überzeugender Präsenz.

Das zentrale Stück der CD ist  Helmars dreisätziges Konzert für Posaune und Klavier Ein feiner Zug, ein eindrucksvolles, richtungsweisendes Werk, das klassische Komposition mit Jazz-Improvisation verbindet. Der Titel, ein Wortspiel auf feine Charakterzüge und die Züge der Posaune, sollte, so Robert, „allen, die sich mit Posaunen auskennen, ein Lächeln entlocken.“

Robert, der Helmar im Jahr 2002 mit dieser Komposition beauftragte, glaubt, wohl zu Recht, dass (falls überhaupt) nur wenige vergleichbare Werke existieren. Daher, meint er, „wird dieses Konzert Posaunisten begeistern und Teil des Repertoires für Posaune werden.“ Robert meistert die Anforderungen, die dieses einzigartige Stück bei der Interpretation stellt, und Helmar ist viel mehr als nur ein Begleiter — ein echter Partner.

Der erste Satz, „Aufgewühlt“, stellt einen Zustand der inneren Unruhe dar, der Unsicherheit, welcher Weg einzuschlagen ist. Der nachdenkliche, düstere Anfang wird bald ruhelos und bricht in viele verschiedene Richtungen aus. Der zweite Satz, „Traurig“, gibt eine einsame, melancholische Stimmung wieder, die Robert mit entsprechend dunklem Timbre spielt. Tempo und Stimmung hellen sich für den dritten Satz, „Am Ende wird alles recht“, wieder auf. Obwohl der vorantreibende Rhythmus einen inneren Kampf zu suggerieren scheint, endet das Stück im Triumph. Helmars Zusammenfassung dieses beeindruckenden Stückes: „Es gibt immer Hoffnung.“

Die stimmungsvolle Ballade Brasstime, die erste von drei Kompositionen Bachners auf dieser CD, ist auch auf seiner kürzlich erschienenen Big Band-Aufnahme Moments of Noise zu hören, natürlich in einem ganz anderen Arrangement. Mit einem Plunger in der Hand entpuppt er sich hier als Meister der Kommunikation, wenn er Noten in Worte, und Musik in Drama verwandelt.

One More Time, ursprünglich von Robert für ein Sextett geschrieben und (in einem Arrangement von Helmar) auch mit der Big Band aufgenommen, hat ein sich leicht windendes, katzenartiges Thema. Helmars sicher gespieltes akkordreiches Solo zeigt seinen Sinn für Rhythmus und Swing. Nicht für einen Moment scheinen Bass und Schlagzeug zu fehlen.

Helmars Stück Greetings from Kenny entstand ursprünglich im Jahr 2000 als Big Band-Komposition anlässlich des 70. Geburtstages des kanadischen Trompeters Kenny Wheeler. Roberts und Helmars Soli sind entsprechend upbeat und bringen ihre Bewunderung und Zuneigung für den international anerkannten Meister des Jazz zum Ausdruck.

Die Schlussnummer, Roberts Komposition Standard of Reference ist ein sanft swingender Jazz-Walzer, den er schon auf seiner Quintett-CD Travelling Hard im Jahr 2006 aufgenommen hat. So wie der große amerikanische Jazz-Posaunist Frank Rosolino benutzt Robert hier einen Cup Dämpfer und zeigt eine ähnlich virtuose Phrasierung und Flexibilität wie sein Idol, während er aber stets seine eigene musikalische Identität bewahrt. Ein weiteres Mal demonstrieren er und Helmar das gefühlvolle Wechselspiel und die eloquenten Dialoge, die diese gesamte CD charakterisieren.

Es ist immer spannend, die Bekanntschaft eines großen Talentes wie Helmar Hill zu machen. Man muss Robert Bachner dafür Beifall zollen, dass er diesen außergewöhnlichen Pianisten und Komponisten einer breiteren Jazz-Öffentlichkeit vorstellt, und natürlich auch dafür, dass er uns mit dieser CD auch wieder an seine eigene Begabung als Musiker und Komponist erinnert.

Bob Bernotas
Autor von Top Brass: Interviews and Master Classes with Jazz’s Leading Brass Players und Reed All About It: Interviews and Master Classes with Jazz’s Leading Reed Players (Boptism Music Publishing: boptism.com), und Moderator von Just Jazz (wnti.org)